Warum sind wir denn nun eigentlich so "renitent"?

(von Andrea Zander)

 

Obwohl wir Mitglieder einer Genossenschaft sind, wurden wir nicht gefragt. Es wurde einfach über unsere Köpfe hinweg beschlossen, unser Zuhause zu verschachern. Und warum? Es wurde uns mitgeteilt, dass eine Modernisierung dieser Häuser viel zu teuer wäre...

Da muß ich mich aber langsam mal fragen, was dieser Modernisierungswahn eigentlich soll. Brauchen wir wirklich noch mehr unbezahlbaren Luxuswohnraum? Immerhin haben wir satte 5 Millionen Arbeitslose und Unmengen an Geringverdienern. Dazu kommt doch auch noch, dass die paar Leutchen, die sich mit Ach und Krach eine solche Mietwohnung leisten könnten, nach kurzem Nachdenken zu dem Schuß kommen müssen, dass es weitaus klüger wäre, dieses Geld in Wohneigentum zu stecken, weil das bei ganz ähnlichen monatlichen Belastungen eine zusätzliche Geldanlage und Altersvorsorge bedeutet. ( Und nebenbei macht man sich bei den Nachkommen sehr beliebt, weil man was zu vererben hat :-)

Außerdem wird es, - Hartz IV sei Dank -, in naher Zukunft auch nicht mehr möglich sein, die Neubauten mit Sozialhilfeempfängern vollzustopfen, so nach dem Motto "das Sozialamt zahlt immer pünktlich".

Ich bin der Ansicht, dass wir es uns derzeit einfach nicht leisten können, auf noch mehr bezahlbaren Altbauwohnraum zu verzichten. Dazu kommt auch, dass diese Häuser ihre Qualität bewiesen haben. Sie haben mühelos den zweiten Weltkrieg und die große Sturmflut von 1962 überstanden. Auch die 5 Tage dauernden, heftigen Rammarbeiten für den Bau der Reihenhäuser schräg gegenüber, (die übrigens auf unlängst schon verschachertem Genossenschaftseigentum stattfanden,) haben diese Häuser mühelos weggesteckt.

Ein weiterer Aspekt ist, dass es heutzutage nahezu unbezahlbar wäre, Häuser in dieser Qualität, kunstvoll Stein auf Stein, mit Pitchpine-Böden, massiven Holztüren, Zierfigürchen neben den Eingangstüren, Deckenstuck, etc., etc., das alles auch noch vollkommen giftfrei und mit einem herrlichen Raumklima, zu bauen.

Und trotz der Tatsache, dass seit ca. 20 Jahren nichts mehr für die Instandhaltung dieser Gebäude getan wurde, stehen die Häuser immer noch da wie eine Eins. So etwas dürfte man mit einem Nachkriegsbau definitiv nicht machen.

Nebenbei drängt sich mir da die Frage auf, was die Genossenschaft mit den Mieteinnahmen aus diesen Häusern, die immer komplett belegt waren, eigentlich gemacht hat? Ach ja! Neubauten, Neubauten und noch mehr Neubauten und ein paar schön teure Modernisierungen. So langsam hasse ich dieses Wort...

Schade, dass es gesunden Menschenverstand nicht in Flaschen gibt. Ich finde, so etwas müßte dringend mal ins Grundwasser, zusammen mit einem kleinen Schuß Bescheidenheit und ein paar Schlückchen Verantwortungsgefühl. (Und wo ich gerade dabei bin: Etwas Nächstenliebe und ein freundlicher Filter gegen Raffgier wären auch nicht schlecht.)